Ausgabe #8/2016 - Business
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And the winner is…

Wie sieht es hinter den Kulissen des renommierten Man Booker Prize aus? Gaby Wood verrät es im exklusiven Q&A. 

fbm: Könnten Sie uns sagen, was Ihre Arbeit als künstlerische Leiterin der Booker Prize Foundation genau umfasst?

Gaby Wood: Meine Hauptverantwortung besteht darin, die Jurymitglieder für den jährlichen Man Booker Prize zu ernennen – darüber nachzudenken, wer die besten, strengsten und aufgeschlossensten Leser sein könnten, diese dann zu unterstützen und ihre Zusammenarbeit zu koordinieren. Aber ich bin auch daran interessiert, wie mit den Ergebnissen des Auswahlverfahrens umgegangen wird – in Bibliotheken und Buchhandlungen oder Diskussionsgruppen. Und die Stiftung unterhält auch gemeinnützige Aktivitäten, an denen ich ebenfalls beteiligt bin – Lesegruppen in Gefängnissen, ein Stipendium für Kreatives Schreiben an der University of East Anglia (UEA), eine Initiative an den Universitäten und so weiter.

Gaby Wood im Business Club

Seien Sie am 19. Oktober dabei, wenn Gaby Wood, Künstlerische Leiterin der Booker Prize Foundation, im Rahmen des Business Clubs gemeinsam mit anderen Branchenexperten über den Einfluss von Literaturpreisen auf den Buchmarkt diskutiert.

Zur Session

fbm: Der Man Booker Prize ist die führende literarische Auszeichnung in der englischsprachigen Welt. Warum zieht der Preis so viel Aufmerksamkeit auf sich?

Gaby Wood: Die Aufmerksamkeit für den Man Booker Prize ist exponentiell gestiegen, seit die PR-Agentur Four Colman Getty die Verantwortung übernommen haben. Bis dahin wurde er mehr oder weniger als Familienangelegenheit für literarische Insider angesehen. Also gebührt wirklich alle Anerkennung für die einfallsreiche und unermüdliche Bekanntmachung ihnen. Das, was sie in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt haben, ist dabei auch weiterhin einer der ältesten Literaturpreise in der englischsprachigen Welt, dessen Jury sich aus engagierten und ausgezeichneten Fachleuten zusammensetzt, die ihrer Zeit voraus sind – die ausgewählten Werke sind später fast ausnahmslos als Klassiker anerkannt worden.

fbm: Romane, die von Autoren außerhalb des Vereinigten Königreichs auf Englisch verfasst wurden, kommen jetzt auch für den Preis in Betracht. Inwiefern hat diese kontroverse Entscheidung das Auswahlverfahren beeinflusst?

Gaby Wood: Das ist eine interessante Frage. Die einzige unmittelbare Auswirkung bestand darin, ein neues Quotensystem einzuführen, so dass die Anzahl an Einsendungen im Rahmen des Machbaren bleibt. Doch bisher hat kein Schriftsteller, der aufgrund der alten Regelung nicht hätte ausgewählt werden dürfen, gewonnen. Das heißt wohl, dass eine Jury, die verschiedenen literarischen Traditionen gegenüber offen ist – in einer Vielzahl verschiedener Länder wird auf Englisch geschrieben –, dieser größeren Gruppe an Einsendungen wohlgesonnen sein könnte und vielleicht stellt das etwas dar, worüber ich in Zukunft nachdenken sollte: weiße angelsächsische Lesevorlieben zu erschüttern, damit sie der vorhandenen Literatur besser entsprechen.

Business Club

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fbm: Welche Auswirkungen auf Buch und Autorenlaufbahn hat die Auszeichnung mit einem international renommierten Preis wie dem Man Booker Prize?

Gaby Wood: Ich denke, die besondere Auswirkung, die der Preis auf die Verkaufszahlen des ausgezeichneten Buches ausübt, ist gut dokumentiert und dies kann das Leben eines Schriftstellers komplett verändern. In welcher Weise, das hängt von der einzelnen Person ab – hohe Einkünfte gibt es, ja, aber doch auch einen gewissen Druck. Auch wenn es den nun wirklich nicht geben sollte – nur drei Personen haben überhaupt je ein zweites Mal gewonnen.

fbm: Sie werden dieses Jahr nach Frankfurt kommen, kurz vor der Preisverleihung in London am 25. Oktober. Wenn Sie an Ihren Besuch denken, auf was freuen Sie sich am meisten?

Gaby Wood: Ich bin erst ein einziges Mal in Frankfurt gewesen, aber diesem Besuch verdanke ich so viele Informationen (und Begeisterung) über das, was in verschiedenen Teilen der Welt vor sich geht, dass es mich über eine unglaublich lange Zeit getragen hat. Es passiert wirklich selten, dass man einen solch belebenden Eindruck bekommt von lauter klugen und kreativen Leuten, die einfach großartige Arbeit präsentieren. Eine weitere Dosis genau davon – darauf freue ich mich.


Interview von Alex Hippisley-Cox

Drei Veranstaltungen mit Gaby Wood auf der Frankfurter Buchmesse: 

Mittwoch, 19. Oktober 2016, 11.00-11.45 Uhr Lesezelt (Agora).

Gaby Wood im Gespräch mit Graeme Macrae Burnet, Shortlist-Kandidat des Man Booker Prize.

Mittwoch, 19. Oktober 2016, 12.00-12.45 Uhr Business Club Stage, Hall 4.0

‘The Winner Takes It All: How literature prizes influence the book market’. Eine Expertenrunde, u.a. mit Gaby Wood, spricht über den Einfluss und die Bedeutung von literarischen Auszeichnungen.

Mittwoch, 19. Oktober 2016, 2.30-3.00pm Publishing Perspectives Stage, Hall 6.0

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, im Gespräch mit Gaby Wood über die Geschichte, Entwicklung und Bedeutung des Man Booker Prize.

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Der Preisträger des Man Booker Prize 2016 wird am Dienstag, den 25. Oktober bekannt gegeben. Für weitere Informationen zum Preis und zu den diesjährigen Anwärtern siehe www.themanbookerprize.com