Ausgabe #5/2016 - Food & Lifestyle
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Die Buchmesse aus den Augen einer Kochbuch­süchtigen

Nirgendwo sonst auf der Welt können begeisterte Köche und Kochbuchliebhaber mehr entdecken als in Frankfurt.

Ich besitze über 400 Kochbücher. Sogar ein Kochbuch aus Brasilien, das ich mitgebracht habe und eigentlich überhaupt nicht lesen kann, denn ich kann kein Portugiesisch. Haben musste ich es trotzdem. Es waren die Bilder, die ein Kribbeln ausgelöst haben, Fotos von unbekannten Früchten und Gemüsen. Nicht immer ist dazu ein Foto vonnöten. Allein die Liste der angegeben Zutaten kann bereits dieses Gefühl auslösen. Es ist eine immerwährende Suche, nach Neuem, nach Altem und Vergessenen, nach einem Gefühl. Ja, eigentlich kann ich sagen, dass ich bei der Kochbuchsuche einem Gefühl nachjage.

Der kulinarischen Seele eines Landes auf der Spur

Ich bin Foodbloggerin, ich schreibe über Essen, ich koche, ich reise, um die kulinarische Seele eines Landes zu entdecken. Und ich schreibe über Kochbücher. Ich lese in Kochbüchern wie in einem Roman, stets in Lauerstellung, dass die Rezepte ihre Magie vor mir ausbreiten und mit ihnen begebe ich mich auf eine Reise in die Welt der Geschmackskompositionen.

Eine Leidenschaft die größer wird, je mehr man sie nährt

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Jetzt könnte man sich fragen, warum ich in Zeiten des Internets, wo Verlage lange im Voraus ihr Programm mitsamt diverser Leseproben bekanntgeben, noch auf die Buchmesse fahre. Nicht nur, weil ich die Bücher in der Hand haben möchte, sondern vor allem, weil es noch weit mehr Verlage gibt, die überhaupt noch nicht auf meinem Radar in Erscheinung getreten sind.

Es ist schon einige paar Jahre her, als ich einen Freund aus der Buchbranche fragte, warum es denn keine Messe nur für Kochbücher gäbe. Gibt es doch, meinte er. In Paris. Der Gedanke an Hallen voller Kochbücher beschleunigte sofort meinen Puls. Die Aussicht auf Verlage aus aller Welt? Ein schier unbeschreiblich köstliches Gefühl. Ich musste also nach Paris. Und dann stand ich plötzlich dort. In dem großen Raum der ausgezeichneten Bücher sank ich auf den Boden. Natürlich mit je zwei Büchern in jeder Hand. Plötzlich war es, als hätte jemand meinen begrenzten Kochbuch-Fokus auf volle Blende aufgedreht. Da draußen gab es noch viel mehr. Endlos viel mehr.

Ab auf die Frankfurter Buchmesse

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Zwei Jahre später fuhr ich zum ersten Mal auf die Frankfurter Buchmesse. Ich war richtiggehend euphorisch als ich zum ersten Mal die Hallen betrat. Es ist nicht so, dass ich ansonsten eine literarische Null bin, ich gebe mir größte Mühe, nicht vollends in der Dunkelkammer der Zubereitungsanleitungen zu verenden. Angezogen wurde ich dennoch am meisten von der Gourmet Gallery. Zuerst war ich ein bisschen enttäuscht, dass hier meist nur eine begrenzte Auswahl an Büchern zur Verfügung stand, doch dann entdeckte ich einen kleinen Stand aus dem Iran. Und einen aus Südamerika. Erleuchtung. Hier waren also die Schätze aus aller Welt verborgen, die ich so sehnlichst suchte.

Über das Entdecken verborgener Schätze

Neuseeland war in diesem Jahr das Gastgeberland. Es gab Kochshows, wo auch neuseeländische Autoren aus ihren Büchern kochten. Ich wollte nirgendwo anders sein in diesem Moment. Im Jahr darauf begann ich konzentrierter die weiteren Hallen zu erkunden. Halle um Halle durchlief ich, immer mit eingeschaltetem Radar. Kochbücher, wo seid ihr? Ich begann, mir Listen zu erstellen, wo es sich besonders lohnt und wo die Ausbeute eher weniger ergiebig ist. Verfeinerte diese Vorgehensweise von Jahr zu Jahr.

Manchmal war es lustig zu sehen, was in den verschiedenen Ländern so alles als Trend vorgestellt wurde. Meine iranische Verlegerfreundin brachte ein Buch über mediterrane Küche raus. Pizza für Teheran. Oder als Amerika den Kombucha Pilz entdeckte. Überhaupt ist dort das Thema Kochbuch oft eine Anleitung zur Selbstoptimierung. Dann wurde plötzlich alles Vegan. Die Unverträglichkeiten waren auf dem Vormarsch. Und zwischen all dem, wie so ein Samen, der einfach angeflogen gekommen ist und sich still und heimlich ins Balkonbeet eingenistet hat, war da plötzlich ein Buch über moderne Fleischküche. Es galt fortan in dem großen Meer der beliebigen Detox- und sonstigen Heil verkündenden Kochbüchern jene zu finden, die mutig waren. Und ich habe sie gefunden.

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Bücher aus aller Welt und fernab deutscher Buchhandlungsregale

Wie ein Trüffelschwein habe ich meine Schätze gehoben. Im letzten Jahr streichelte ich Kochbücher aus Südamerika, die so unglaublich schön waren, dass es mir schwer fiel, sie wieder zurückzulegen. Kurzer Check beim großen Internetbuchversender – nicht zu bestellen. Erscheint nicht einmal in der Liste. Kochbücher aus Südafrika (da gibt es ganz besonders tolle)? Fehlanzeige. Und das, wo ich sie doch gerade schon in der Hand halte. Mehr als einmal habe ich schon mit dem Gedanken gespielt den letzten Tag abzuwarten, um dann ein Exemplar zu erwerben. Zu wissen, dass ich vielleicht bis an das Kap fliegen müsste, um genau dieses eine Kochbuch über Kap-Malaiische Küche zu bekommen, verursacht beinahe körperliche Schmerzen. Aber vielleicht ist das auch der Grund, weswegen ich immer wieder komme. Auf der Suche nach dem einen Buch, welches mich vibrieren lässt, wo die Zutaten und Bilder jenes Gefühl auslösen, das mit Worten kaum zu beschreiben ist. Wo ich es beim Lesen schon schmecken kann.

Mehr Informationen gibt es auf der Website: www.dinnerumacht.de