Ausgabe #4/2016 - THE ARTS+
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„Ein Emoji ist wie ein ganzer Satz“

Die Fontexperten von Monotype unterstützen THE ARTS+ mit Talks über Kommunikation im digitalen Zeitalter. Jürgen Siebert, Marketingdirektor von Monotype Berlin, sprach mit uns über neue Technologien und aktuelle Entwicklungen der Typographie.

Jürgen Siebert sieht es als großes Glück an, dass er in einer Branche tätig ist, die sich ständig neu erfindet. Der Marketingdirektor nimmt technische Neuerungen mit großer Neugierde auf, testet Sie und entscheidet dann, welche er in seinen Alltag aufnimmt. Er ist davon überzeugt, „dass jede Technologie, die eine andere ablöst, besser als die alte ist.“ Diese Unvoreingenommenheit führt Siebert auf sein Physikstudium zurück: „Was ich als Wissenschaftler einbringe, ist die Neugierde auf Neues. Ich bin absolut unbefangen, was neue Techniken angeht. Das ist die DNA, die man aus dem wissenschaftlichen Studium mitbringt.“ Je offener man ist, desto mehr kann einem eine neue Technik bieten, glaubt Siebert.

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Die Schrift- und Technologieexperten von Monotype unterstützen THE ARTS+ mit ihren Erfahrungen aus den bereits seit mehreren Jahren stattfindenden TYPO TALKS. Dort sprechen Experten regelmäßig über die neuesten Trends im Bereich Visuelle Kommunikation. Die Macher von TYPO TALKS möchten bei THE ARTS+ mit Gleichgesinnten über die Zukunft von digitalen Businessmodellen und Kommunikation nachdenken. Siebert freut sich, Teil der ersten Ausgabe sein zu können: „Das ist natürlich toll, mit Spezialvorträgen einen Platz auf einem so zukunftsorientierten Marktplatz zu finden.“

Ich fliege auf alles, was neu ist und Spaß macht

Seit seiner Kindheit verspürt Siebert ein großes Interesse für Typographie und Schriften. Er hatte bereits früh das Verlangen, „Texte in eine schönere Form zu bringen“. Mit dem Berufsziel Wissenschaftsredakteur ging er nach dem Studium nach Hamburg. Dort wurde er Mitgründer und Chefredakteur des Grafikmagazins PAGE, seitdem ist er Teil der Digitalbranche. In seiner monatlichen Kolumne in der PAGE bezieht er klare Positionen zu aktuellen digitalen Entwicklungen.

Siebert ist – im Gegensatz zur kulturpessimistischen These, das Netz schränke die typografische Gestaltung ein – der festen Überzeugung, „dass es noch nie so großartige Schriften gab wie zur Zeit.“ Er geht sogar noch weiter: „Ich glaube, dass man heute im Internet oder auf digitalen Medien typografisch weit mehr anstellen kann, als jemals auf Papier möglich war.“ Die Entwickler der großen Betriebssysteme arbeiten in den Laboren an dynamischen Schriften, die flexibel auf Helligkeit, Verhalten, Bewegung und auf das Umfeld reagieren, damit optimieren sie die Lesbarkeit am Bildschirm. Siebert geht deshalb davon aus, „dass wir in Zukunft nur noch sehr selten auf Papier gucken und noch mehr menschliche Kommunikation auf Bildschirmen stattfindet.“

Man fügt dem geschriebenen Wort Emotionen hinzu und das scheint zu funktionieren.

Auf dem Vormarsch sind auch Emojis – als „echte Game Changer“ treiben sie die „Verbildlichung der Sprache“ voran. Den schriftbegeisterten Siebert stört das nicht. „Ich denke einfach, wenn die Dinge sich durchsetzen, dann hat es einen Grund“, sagt er. Emojis können unter Zeitdruck verfasste und auf begrenztem Raum geschriebene Inhalte ergänzen, meint Siebert: „Offensichtlich helfen die Zeichen, dem Text eine emotionale Komponente zu geben, die mit der Schrift alleine nicht realisierbar sind. Ein Emoji funktioniert dann wie ein ganzer Satz.“

Scheinbar zeigen Emojis gar, wie ganze Länder ticken. Kürzlich ging eine Weltkarte durch das Netz, sie zeigt die meist genutzten Emojis in verschiedenen Regionen der Erde. Was Siebert faszinierte: „Die Emojis entsprechen den Vorstellungen, die wir von diesen Ländern haben.“

Jürgen Siebert von Monotype © Norman Posselt, Monotype

Trotz der vereinfachten Kommunikation durch Emojis erkennt Siebert mögliche Missverständnisse. Dabei helfen in der Zukunft Funktionen, welche die Nutzung erleichtern: Schon im nächsten Betriebssystem bietet Apple die Möglichkeit, Wörter durch vorgeschlagene Emojis direkt zu ersetzen.

Die Buchmesse hat mit THE ARTS+ die Zeichen der Zeit erkannt

Ausstellerkatalog

Im Ausstellerkatalog finden Sie alle ausstellenden Verlage aus den Bereichen Kunst und Design.

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Siebert sieht für die Verlagsbranche noch Nachholbedarf, was neue Entwicklungen in der schriftlichen Kommunikation anbelangt. THE ARTS+-Messe sieht er dabei in einer Vorreiterrolle: „Die Buchmesse hat die Zeichen der Zeit erkannt, und mit THE ARTS+ geht sie den richtigen Weg“. Auf der Messe werden Themen der Zukunft diskutiert. Es findet Austausch statt, der dann, so hofft Siebert, Zuversicht schafft, zukunftsfähige Verlagsmodelle zu entwickeln. Gerade im Bereich E-Books erkennt Siebert noch großes Verbesserungspotential, zum Beispiel im Zusammenspiel von Text und bewegten Bildern.

Wird das gedruckte Wort verschwinden? Ganz und gar nicht, „es wird sogar besser als je zuvor“, sagt Siebert. Ginge es nach ihm, würde die Gebrauchsliteratur so schnell wie möglich digitalisiert und machte stattdessen Platz für schöne Bücher mit aufwendigen Veredelungen zum Verschenken und Anschauen.

Interaktiver Hallenplan

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Folgende Vorträge werden auf THE ARTS+ Runway (Halle 4.1) durch TYPO organisiert:

Mittwoch 19.10., 11:15 – 12:00 Uhr
From Gutenberg to Messaging: How Typography has (not) changed
Sprecher: Erik Spiekermann

Donnerstag 20.10., 11:15 – 12:00 Uhr
Bringing Characters to Life: Branding Culture with Type
Sprecher: Steff Hengge & Ulrike Rausch, Brand & Type-Design

Freitag – 21.10., 11:15 – 12:00 Uhr
It’s just the Beginning: The Rise of Typography in the digital Age
Sprecher: Frank Rausch, User Interface Typographer