Top Stories 2017 - Inspirationen zu den Publishing-Trends des Jahres
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„Digitales Lernen ist ein Zukunftsmarkt“

Ein neues Format: Im Oktober feiert das „World of Learning Lab“ Premiere.

Elmar Husmann, Secretary General bei ELIG.org, hat das Programm entwickelt. Im Interview erklärt er, was im Herbst auf der Buchmesse zu erwarten ist.

fbm: Wie ist die Idee entstanden, mit dem „World of Learning Lab“ ein neues Format zum Thema Bildung auf der Buchmesse zu schaffen?

Elmar Husmann: Am Anfang stand die Beobachtung, dass die Digitalisierung unser Leben  grundlegend verändert – im Privaten, aber eben auch in der Art, wie wir lernen. Diese  Entwicklung wollen wir mit dem „World of Learning Lab“ genauer betrachten. Zwei Fragen stehen dabei im Fokus: Wie wird gelernt? Also: Wie verändern digitale Methoden – beispielsweise das adaptive Lernen oder das Lernen in virtuellen Realitäten – die Art, wie wir uns bilden? Andererseits geht es aber auch um die Frage: Was soll gelernt werden? Was muss man eigentlich wissen in einer digitalen Welt? Wir sind überzeugt, dass reines Anwenderwissen – etwa die Fähigkeit, Apps, Google oder Facebook nutzen zu können – heute nicht mehr genügt. Mit einem solchen Wissen kratzt man nur an der Oberfläche. Ein richtiges Verständnis darüber, was eigentlich im Digitalen möglich ist und wie es funktioniert, kann so nicht entwickelt werden.

fbm: Das „World of Learning Lab“ ist eine Weiterentwicklung des „Klassenzimmers der Zukunft“.

Husmann: Beim „Klassenzimmer der Zukunft“ haben wir sehr erfolgreich mit Schülern gearbeitet. Nun wollen wir uns für weitere Altersgruppen öffnen. Ein spannendes Programm für Kinder und Jugendliche im Schulalter wird es weiterhin gehen, aber es wird sich diesmal auch viel um berufliche Bildung und lebenslanges Lernen drehen. Die Grundidee ist: Über die Themen des Labs wird nicht nur geredet, sondern man kann Dinge selbst ausprobieren, man taucht in neue Welten ein und sammelt Erfahrungen.

fbm: Was sind die Kernthemen beim „World of Learning Lab“?

Husmann: Das sind drei Bereiche. Einen Schwerpunkt bilden Coding, Hacking und Künstliche Intelligenz. Was ist darunter zu verstehen? Wie funktioniert so etwas? Wie kann ich selbst in das Thema einsteigen? Hier werfen wir einen Blick in den Maschinenraum der digitalen Welt. Ein zweiter Themenblock sind Medien und Medienkompetenz. Hier wird es zum Beispiel eine mobile Medienwerkstatt geben. Was macht einen guten Blog aus? Wie bekommt man Follower? Wie überprüfe und bewerte ich Informationen? Solche Fragen werden dort erörtert. Der dritte Themenblock ist der Bereich Wissenschaft, mit einem Schwerpunkt auf Open Science und entdeckendes Lernen. Und wir wollen darüber diskutieren, welche neue Rolle Bibliotheken im Zeitalter der Digitalisierung spielen werden.

fbm: Was erwartet mich als Besucher des Events?

Husmann: Wir schaffen einen Mix aus drei verschiedenen Formaten. Bei den Sofa-Talks laden wir Gäste ein, um in entspanntem Rahmen über unterschiedliche Themen aus dem Bereich digitales Lernen zu diskutieren. Daneben wird es Themeninseln geben, an denen man neue Anwendungen ausprobieren kann oder erklärt bekommt. Vertieft wird das praktische Ausprobieren in ein- bis zweistündigen Workshops. Beispielsweise zum Thema Coding: Dort arbeiten wir mit der Organisation „Jugend hackt“ zusammen, die eigene Hackathons organisiert und einen Workshop anbieten wird, an dem man auch ohne vorherige Programmierkenntnisse teilnehmen kann. Häufig werden sich die Formate ergänzen. So laden wir etwa den Wissenschaftsjournalisten Armin Himmelrath ein, der sich mit den Themen Fake News und Hate Speech beschäftigt. Er wird mit unseren Gästen diskutieren, aber auch einen Workshop abhalten. Dort soll es dann ganz praktisch darum gehen, wie man im Netz recherchiert, wie man unterscheiden lernt, welche Nachrichten seriös und welche unglaubwürdig sind.

fbm: Warum ist das digitale Lernen ein wichtiges Thema für die Publishing Branche?

Husmann: Digitales Lernen ist ein Zukunftsmarkt. Bildung ist schon jetzt eines der größten Segmente im Publishing-Sektor. Durch den Wandel im Bildungsbereich entstehen nun viele weitere neue Angebote – zum Beispiel beim adaptiven Lernen, wo die Lerninhalte mittels Datenauswertung dem eigenen Lernfortschritt angepasst werden. Das sind Techniken, die ein klassisches Buch oder ein Fachbuch gar nicht leisten können. Auch der Bereich Augmented Reality entwickelt sich rasend schnell und ist für die Buchbranche ein interessantes Feld: Welche digitalen Inhalte biete ich zusätzlich zum Buch an? 

fbm: An wen richtet sich das Lab?

Husmann: Das „World of Learning Lab“ ist für alle interessant, die sich mit dem Thema Lernen befassen. Das sind einerseits die Lernenden, also Schüler, Studenten oder Menschen, die schon im Beruf sind und sich weiterbilden, andererseits aber auch die, die sich professionell mit dem Thema auseinandersetzen, also Lehrer, Schulleiter, Universitätsdozenten oder Professoren. Aber natürlich ist das Lab auch für Verlage und andere Anbieter, die im Bereich Bildung aktiv sind, enorm spannend.