#9 - Politische Messe
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Für das Wort und die Freiheit

Die Meinungsfreiheit ist akut bedroht – in der Türkei und an zahlreichen anderen Orten der Welt. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat mit Partnern die Petition „Für das Wort und die Freiheit #FreeWordsTurkey“ gestartet. Der Einsatz für Meinungsfreiheit ist außerdem ein Schwerpunkt auf der Frankfurter Buchmesse.

„Die Begrenzung der Meinungsfreiheit ist nicht nur Zensur, sie ist ein Angriff auf die menschliche Natur“, erklärte Salman Rushdie zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse 2015. Ein Jahr später ist klar: Die Meinungsfreiheit ist weltweit in Gefahr. Autoren, Verleger und Buchhändler werden zensiert, verfolgt, inhaftiert. Ob in Syrien, Ägypten oder aktuell besonders in der Türkei: Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit werden eingeschränkt oder unter Bezug auf Notstandsgesetze praktisch außer Kraft gesetzt.

Mehr als hundert Journalisten sind in der Türkei in Haft

In der Türkei wurden in den vergangenen Wochen mehr als 130 Medienhäuser geschlossen, darunter 29 Buchverlage. Über 110 Journalistinnen und Journalisten, Autorinnen und Autoren sind derzeit inhaftiert. Vielleicht am Schlimmsten: Es herrscht eine Atmosphäre der Angst unter Intellektuellen und Publizisten.

Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Der Börsenverein ist offizielles Sprachrohr der deutschen Buchbranche. Neben Verlagen und Buchhandlungen, gehören der Zwischenbuchhandel und Antiquariate zu seinen Mitgliedern.

Erfahren Sie mehr über den Börsenverein

„Demokratische Werte sind außer Kraft gesetzt, wenn der offene Meinungsaustausch nicht mehr stattfinden kann“, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Buchhandels. „Die Meinungsfreiheit ist ein Menschenrecht und nicht verhandelbar. Sie gewährleistet eine freie und demokratische Gesellschaft. Wenn Verlage, Buchhandlungen, Journalisten und Autoren schikaniert, enteignet und inhaftiert werden, müssen wir unsere Stimme erheben. Meinungsfreiheit ist die Basis für jedes publizistische und künstlerische Schaffen, deshalb sind gerade wir gefragt, sie kompromisslos verteidigen.“

Fast 80.000 Menschen haben bereits die europaweite Online-Petition „Für das Wort und die Freiheit #FreeWordsTurkey“ unterzeichnet, die der Börsenverein gemeinsam mit dem PEN-Zentrum Deutschland und Reporter ohne Grenzen gestartet hat. Sie fordern von Kanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ein klares Engagement für die Menschenrechte in der Türkei. Zu den Unterstützerinnen und Unterstützern zählen Gesine Schwan, Nina George, Lutz Seiler sowie eine Reihe von Friedenspreisträgerinnen und -trägern wie Carolin Emcke, Navid Kermani oder Alfred Grosser. Die Online-Petition läuft noch. Hier können Sie den Aufruf unterzeichnen.

Während der Frankfurter Buchmesse wird die Meinungsfreiheit ein bestimmendes Thema in vielen Veranstaltungen sein.

Eine Auswahl:

  • Podiumsdiskussion: „Lauter werden! Die Verteidigung der Meinungsfreiheit“

In vielen Teilen der Welt wird die Meinungsfreiheit massiv angegriffen. Seit dem Putschversuch wurden in der Türkei zahlreiche Medienhäuser und Verlage geschlossen, Publizisten enteignet und inhaftiert. Wie ist die Lage von Autorinnen und Autoren, Journalistinnen und Journalisten in der Türkei und an anderen Orten? Welche Verantwortung hat die Buch- und Medienbranche für die Verteidigung der Meinungsfreiheit? Mit Zeynep Oral (Autorin, PEN Türkei), Alexander Kampa (Hoffmann und Campe Verlag), Alexander Skipis (Börsenverein). Moderation: Sabine Kieselbach (Deutsche Welle)

Freitag, 21.10. 2016, 17:00 Uhr, Forum Börsenverein, Halle 3.1, H85

  • Podiumsdiskussion: Meinungsfreiheit und Populismus in Europa

Zwei Autoren des Ehrengastes Niederlande und Flandern diskutieren mit zwei deutschen Autoren. Wie ist es um die Meinungsfreiheit in Belgien, den Niederlanden und Deutschland bestellt? Nutzen wir unsere demokratischen Rechte? Und welcher Zusammenhang besteht zum Erstarken populistischer Strömungen in den drei Ländern?

Mittwoch, 19.10.2016, 11:00 Uhr, Forum Börsenverein, Halle 3.1, H85

Weltempfang

Der „Weltempfang“ ist das politische Forum der Frankfurter Buchmesse. Die Frage, in welche Richtung Europa künftig steuern wird, ist in diesem Jahr zentrales Thema im Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung in Halle 3.1. Das Motto der Debattenreihe: „Europa!“ – mit Ausrufezeichen.

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  • Podiumsdiskussion: „Die Türkei und Europa – Wie steht es um die Meinungs- und Kunstfreiheit?“

Podiumsdiskussion mit Georg Haslinger, Deniz Yücel und einem weiteren Gast. Moderator: Sascha Feuchert. Organisiert vom PEN-Zentrum Deutschland.

Do, 20.10., 13:30 Uhr, Weltempfang, Halle 3.1

  • Buchvorstellung und Diskussion: „Hier sein, weg sein“

Vorstellung der Anthologie „Hier sein, weg sein“ (Secession Verlag), in der die Schriften syrischer Autorinnen und Autoren versammelt sind, die in Deutschland leben. In Gedichten, Kurzgeschichten und anderen Formaten berichten Sie von der Diskrepanz zwischen dem Leben in ihrer alten und dem Erleben ihrer womöglich neuen Heimat.

Mittwoch, 19.10.2016, 13:00 Uhr, Forum Börsenverein, Halle 3.1, H85

  • Lesung und Gespräch: Wer bin ich, wenn ich hier bin?

Syrische Autoren und Autorinnen stellen ihre Texte vor und diskutieren mit Liao Yiwu und Najem Wali über die eigene Identität als Schriftsteller in einem – noch – fremden Land. Mit Mohammad al-Attar und Lina Atfah.

Dienstag, 18.10.2016, 20:00 Uhr, Katharinenkirche an der Hauptwache

  • Preisverleihung: Raif Badawi Award for courageous journalists 2016

Zum zweiten Mal verleiht die International Media Alliance zusammen mit der Friedrich-Naumann-Stiftung für den Frieden den Raif Badawi Award for Courageous Journalists. Der Preis wurde von der Frau des inhaftierten und zu zehn Jahren Haft und eintausend Peitschenhieben verurteilten saudischen Bloggers Raif Badawi und dem Journalisten Constantin Schreiber initiiert, um herausragende Leistungen für die Meinungsfreiheit zu ehren. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels unterstützt den Preis.

Mittwoch, 19.10.2016, 15:00 Uhr, Halle 3.C, Raum EFFEKT